Unsere Landschaften sind kaum noch ökologisch wertvoll

Der Schutz von Flora und Fauna muss einen sehr viel höheren Stellenwert bekommen. Arten die der Mensch nicht direkt nutzen kann haben keine Fürsprecher und sterben leise. Wir brauchen funktionierende Ökosysteme, damit sich Populationen auf natürliche Weise regulieren und ihre ökologische Aufgabe erfüllen können.

Bunte Vielfalt
statt monotone Wüsten

Durch den Rückgang bestimmter Insektenarten finden Singvögel immer weniger Nahrung. Intensivmahd des Grünlandes durch riesige, schnellfahrende und rotierende Mähwerke vernichten und verbannen Käfer, Heuschrecken, Schmetterlinge und bodenbrütende Vogelarten. Diese benötigen ein intaktes Offenland mit extensiver/partieller Bewirtschaftung, überwinternde Langhalme und Buschwerk. Nicht nur um die Insekten ist es schlecht bestellt. In Deutschland gibt es kaum noch natürliche Wälder, sondern überwiegend sterilen Forst, der leider nur unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet wird. So gibt es immer weniger uralte Bäume die unter anderem verschiedenen Eulenarten eine Heimat bieten, da diese zuvor als Wertholz gefällt oder als Totholz beseitigt werden. Egal welche Ökosysteme man zu Land oder zu Wasser betrachtet, alle sind sie in ihrer Existenz bedroht oder bereits vollständig verschwunden.

Die unaufhaltsame Flächenversiegelung ist ebenso ein riesiges Problem. Neubauten (Gewerbe, Straßen, Plätze, EFH) vernichten immer mehr natürliche Flächen. Bachbegradigungen und Uferbefestigungen entziehen wertvollen Lebensräumen die Grundlage und erhöhen die Fließgeschwindigkeiten. Autobahnen verhindern Zugbewegungen von Großsäugern.

Dazu kommen globale Probleme wie Überfischung, Meeresbodenzerstörung durch Schleppnetzfischerei, Brandrodung der Urwälder für Plantagen (Palmöl, Kautschuk, Soja, Kaffee), Plastifizierung der Meere und des Bodens, Vergiftung des Wassers und der Böden (Schlacken, Chemikalien aus Agrar- Pharma- und Textilindustrie, Mikropartikel), Artensterben (Biotopzerstörung, Einschleppen von Neophyten/Neozoen), Lichtverschmutzung (Verflug und Fesseleffekt bei Insekten), Lärmbelastung, Luftverschmutzung (Stickoxide, Mikropartikel), Massentierhaltung und Tierquälerei, ...

Unsere Zeit läuft…

Durch die heutige Landwirtschaft und unsere moderne Lebensweise ist nicht nur die Artenvielfalt stark gefährdet. Die großen Umweltbelastungen und die Bevölkerungsexplosion verändern vieles auf der ganzen Welt zum Negativen – eine aussichtslose Situation. Weltweiter Handel, billige Lebensmittel und steigende Nachfrage nach Energiepflanzen und Fleisch zwingen die Bauern immer größere Schläge/Stallanlagen immer rationeller zu bewirtschaften, damit sie konkurrenzfähig bleiben. Ein Teufelskreis, denn so bleiben Artenvielfalt, Boden- und Wasserqualität auf der Strecke.

So sehr sich der Einzelne auch müht, das Schicksal der Menschheit scheint schon längst besiegelt zu sein. Die weltweiten Trends lassen dies erahnen. Die Problematiken und deren Auswirkungen sind seit vielen Jahrzehnten bekannt, doch Lösungsansätze werden stets wirtschaftlichen Interessen - also unserer Lebensweise - unterstellt. Umweltschutzorganisationen kämpfen seit jeher gegen Windmühlen. Ein Zeichen, dass wir ein wirksames Umsteuern nicht wirklich wollen und auch nicht mehr können, da sich gewachsene Strukturen im Laufe der Zeit verhärtet haben und somit große Umbrüche in vielen Lebensbereichen zu erwarten wären.

Im Kern ändert sich das Verhalten der Menschen nicht, sei es durch Gewohnheit, Unwissenheit, Gleichgültigkeit, Handlungsunfähigkeit, Gedankenlosigkeit, Bequemlichkeit oder der Lebenssituation wegen. Der Fortschritts- und Wohlstandsdrang liegt in unseren Genen und dafür wirtschaften wir diese Welt zugrunde. Manch positive Entwicklung im hiesigen Umweltschutz relativiert sich durch Mehrverbrauch, Ressourcenverschiebung und Produktionsverlagerung (Schwer-, Chemie-, Textilindustrie).

Ein neues 400 ppm Zeitalter ist angebrochen und die Überhitzung des Planeten durch noch immer steigende Emission von Treibhausgasen absehbar. Viele Entscheidungen die wir täglich in unserer Zivilisation treffen, überlasten die Erde in ihrer Regenerationskraft und vergrößern den ökologischen Fußabdruck. Sich häufende Wetterextreme und eine globale Artenausdünnung sind die Konsequenzen, mit denen wir und die kommenden Generationen nun zurechtkommen müssen. Möchten wir weiterhin auf dieser Erde leben, müsste die Bevölkerungszahl begrenzt, zu 100% aus erneuerbaren Energiequellen geschöpft, der Konsum reduziert und die Ressourcen in einen Kreislauf geführt werden – ein Wunschtraum, denn dies setzt ein grundlegend anderes, globales Wirtschaftssystem und eine andere Lebens- und Denkweise voraus. Bewegungen wie "Cradle to Cradle" und "Gemeinwohlökonomie" wären Vorreiter dieser Ideen, sind jedoch unter heutigen Aspekten nicht realisierbar. Unverändert setzen wir in einer begrenzten Welt auf unbegrenztes Wachstum, denn dies ist der Motor der Menschheit und wir verändern und erfinden uns immerfort.

Wohin gehen wir?

Mit immer neuen und komplexeren technischen Problemlösungen (Robotik und KI, Gen-Editing, indoor farming, ...) entfernen wir uns in atemberaubender Geschwindigkeit immer weiter von unseren Wurzeln. Die natürliche Umwelt ist für viele in unserer Gesellschaft schon heute zum Nebenschauplatz geworden und der Alltag von Konsum, Informationsüberfluss und Leistungsdruck geprägt. Woher nehmen wir unsere Lebenskraft, wenn wir einst - sollten wir dann noch in der Lage dazu sein - in einer heißen, artenarmen, versiegelten, vollständig technifizierten und überwachten Welt leben?

Ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein: Für den Erhalt unserer wunderbaren Erde!

Es ist überaus anstrengend und unbequem, sich gegen Strömungen und Gewohnheiten zu stellen und die Grenze zwischen gesundem Egoismus und Gemeinwohl zu finden. Dennoch könnte jeder im Kleinen etwas bewirken, denn das Ganze ist stets die Summe seiner Teile:

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